Dossier

Das Dossier „Zukunft der Arbeit“ dreht sich um die Digitatisierung. Was ist im Job gefragt, wenn die Kollegen Roboter sind? Um die Zukunft 4.0 zu beleuchten, hat der REFA Nordwest-Verband einen kostenlosen Interviewband herausgebracht. Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft beziehen Position zur Zukunft der Arbeit – und zwar durchaus kontrovers! Einige davon sind der Überzeugung, der technische Fortschritt erweitere die Handlungsmöglichkeiten. Andere vertreten skeptisch die Postion, ein Mensch lasse sich in bestimmten Bereichen nicht ersetzen. Ein Ausblick:

Zum Spielen gehen, um Geld zu verdienen?

Dass Arbeit abwechslungsreich sein und für gute Ergebnisse Spaß machen sollte, betont Roman Rackwitz. Der Gamification-Fachmann befasst sich mit dem Spieltrieb des Menschen und der Frage, wie Unternehmen diesen wirtschaftlich einbinden können: „Wenn ein Spiel keine Überraschungen mehr bietet, wenn es langweilig und vorhersehbar wird, hörst du auf, es zu spielen. Gleiches gilt eben auch für die Motivation bei der Arbeit.“ Unabdingbar für das Weiterspielen sei darüber hinaus die Kenntnis der Regeln. Und genau an diesem Punkt sieht er neben der Technologie die Führungskräfte gefragt. Sie müssen Rackwitz zufolge dafür sorgen, dass die Mitarbeiter „selbstständig lernen, mit Herausforderungen umzugehen.“ Er fügt hinzu: „Damit die Leute bleiben und auch im Job individuell stärker gefordert sind – so wie im Spiel.“

Prof. Dr. Martin Hill: „Hallo, Kollege Roboter!“

Prof. Dr. Martin Hill, SAP Deutschland, sieht drei wichtige Folgen von Industrie 4.0: In einigen Berufen bekomme der Mensch „einen technischen Kollegen“, bestimmte Tätigkeiten würden dadurch wegfallen und generell gebe es veränderte Anforderungen an Arbeitskräfte. Hill: „Wir beobachten den Einsatz von IT relativ nah am Shopfloor, also in der Produktion und Logistik. Dort werden sich die Aufgabenprofile der Menschen massiv ändern.“ Daraus folge eine neue Anforderung an die Qualifikationen: „Dass wir die Ausbildung des Facharbeiters vom rein Fachlichen lösen müssen hin zu IT-Management-Kompetenzen, ist unabdingbar.“

Jürgen Mehlmann und Thomas Niestegge: „Keine Technologie kann den Menschen ersetzen!“

Jürgen Mehlmann, Fertigungsleiter, und Thomas Niestegge, Prozessmanager von Schmitz Cargobull hingegen sehen „nichts Heilbringendes in Industrie 4.0“. Viele Aufgabenfelder bei dem Hersteller von Lkw-Anhängern mit dem Elefanten-Symbol ließen sich nicht durch eine verstärkte Digitalisierung lösen. Mehlmann beschreibt das von Toyota übernommene Cargobull-Prinzip: „Bau eine Anlage, die Dinge tut, die der Mensch nicht beherrscht. Ansonsten lass es den Mitarbeiter machen.“ Bestimmte Komplexitäten ließen sich nicht durch Maschinen oder Software-Programme bewältigen, „beispielsweise, wenn Mitarbeiter vor Ort kundenspezifische Aufgaben erledigen müssen.“ Niestegge ergänzt: „Die Informationen, die wir aus Big Data extrahieren und die dann durch den Techniker umgesetzt werden, bringen nichts, wenn dieser seinen Baukasten nicht beherrscht.“

Prof. Dr. Sascha Stowasser: „Maschinen-Menschen oder menschliche Maschinen?“

Prof. Dr. Sascha Stowasser, Institut für Angewandte Arbeitswissenschaft, nimmt zunächst die berufliche „Zweiklassengesellschaft“ aufs Korn: „Wir haben meiner Meinung nach zu viele Akademiker. Da hoffe ich, dass wir mit der Digitalisierung und mit Industrie 4.0 die Attraktivität vermeintlich einfacher Berufe, die aber alles andere als einfach sind, steigern können.“ Darüber hinaus sieht er ein neues Zusammenwachsen von Mensch und Maschine. „Wir sehen ja bereits Versuche, wo Mitarbeiter einen Chip in der Armbanduhr oder am Körper tragen, der die Belastung misst. Wenn man dann zum Beispiel eine Belastung des Rückens wahrnimmt, kann das Montagesystem sich darauf einstellen.“ (Birgit Lutzer)

Das gesamte Dossier kann kostenlos unter www.zukunft-refa.de heruntergeladen werden.