Medienarbeit – die größten Irrtümer

//Medienarbeit – die größten Irrtümer
Medienarbeit

Medienarbeit fördert den guten Ruf. Wer Beiträge in technischen Medien oder auch ein Buch zu seinem Fachgebiet publiziert hat, gilt als nachgewiesener Experte für sein Thema. Potenzielle Kunden und die Branche werden aufmerksam. Doch über Medien- und Buchveröffentlichungen geistern hartnäckig einige Fehlannahmen durch den Kosmos. (Bild: © DDRockstar / Fotolia)

Medienarbeit – Irrtum 1: „Mein Thema ist so interessant, dass sich Redakteure und Buchverlage vor Begeisterung überschlagen werden.“

Medien und auch Verlage veröffentlichen am liebsten über Themen, die neu, einmalig oder brisant sind oder die von einem Prominenten an sie herangetragen werden. Wenn Sie also ein noch unbekannter Experte zu einem schon bekannten Thema sind, sollten Sie diesem eine noch nie da gewesene Besonderheit verleihen. Bereiten Sie Ihr Inhalte doch für eine ganz spezielle Zielgruppe auf und wenden Sie sich dann an Medien, die sich auf genau diesen Personen- oder Unternehmenskreis spezialisiert haben.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, Bezug auf ein viel diskutiertes Thema wie die „digitale Transformation“ zu nehmen und damit eine Verbindung zum eigenen Kompetenzbereich herzustellen. Gern von Zeitschriftenredaktionen genommen werden technische Fall- und Anwendungsbeispiele aus Unternehmen.

Medienarbeit – Irrtum 2: „Schon bei der ersten Presseaktion wird mein Beitrag in den VDI-Nachrichten erscheinen. Und für mein Buchprojekt kommt sowieso nur der beste und bekannteste Verlag in Frage.“

Richten Sie sich besser zunächst auf das sprichwörtliche „Klinken putzen“ und eine geringe Resonanz ein. Fachveröffentlichungen gehorchen immer einem Schneeballeffekt: Haben Sie schon etwas publiziert, fällt die Überzeugungsarbeit leichter. Daher bietet sich gerade zu Beginn folgende Vorgehensweise an: Wenden Sie sich zunächst ein kleinere Medien und an Online-Medien, die aus Gründen der Aktualität viele Texte benötigen. Dort ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Sie Ihr Thema platzieren können.

Das gleiche gilt für Verlage: Um sich überhaupt einen Namen als ernst zu nehmender Autor zu machen, kann es sinnvoll sein, beim ersten Buchprojekt bei kleineren Verlagen anzufragen. Auch ein seriöser Zuschuss-Verlag, bei dem Sie für die Veröffentlichung zahlen oder eine Abnahmeverpflichtung für eine bestimmte Zahl an gedruckten Exemplaren haben, ist eine gute Wahl. Dies kann dann Ihr Sprungbrett für weitere Veröffentlichungen bei größeren Verlagshäusern sein. Die Selbstveröffentlichung über Anbieter wie Amazon oder BoD bringt nicht denselben Ruhm, kann sich aber lohnen, wenn es Ihnen in erster Linie um den Verkauf Ihrer Bücher geht.

Medienarbeit – Irrtum 3:„Ein Fachartikel oder ein Buch bringen mir sofort viele neue Kunden.“

Sicher können Sie durch einen Fachartikel oder ein gutes Buch neue Kunden gewinnen – das ist schließlich ein wichtiges Ziel dieses Marketing-Instruments! Doch die genaue Wirkung einer Veröffentlichung ist schwer im Voraus zu berechnen. Manche Menschen schneiden sich einen Beitrag aus und melden sich erst nach einem halben Jahr mit einer Anfrage. Wenn Sie regelmäßig in Medien veröffentlichen, die von Ihrer Zielgruppe gelesen werden, erhöhen Sie im Lauf der Zeit Ihren Bekanntheitsgrad. Je mehr Sie veröffentlichen, desto kürzer ist der Zeitraum bis zu folgender Reaktion: „Ach, von dieser Ingenieurin habe ich doch schon mal etwas gelesen. Sie scheint eine gefragte Expertin zu sein! Wir werden Sie für unsere Ausschreibung kontaktieren.“

Trotzdem: Medienarbeit lohnt sich!

Trotz der genannten Einschränkungen ist der Aufbau eines Expertenstatus zwingend mit Fachveröffentlichungen verknüpft. Gerade wenn Sie erst am Beginn Ihrer Pressearbeit stehen oder darüber nachdenken, Ihre Fachkenntnisse in einem Buch zu veröffentlichen, ist eine Politik der kleinen Schritte sinnvoll. Um eigene Medienkontakte zu generieren, führen Sie Ihre Pressearbeit zunächst so weit wie möglich in Eigenregie durch. Dabei können Sie sich durchaus punktuell Hilfe holen.

Alles spricht dafür, für die Texte einen erfahrenen Journalisten oder Werbetexter in Anspruch zu nehmen. Doch die Telefonate mit den Redaktionen und den Vertrieb des Pressematerials sollten Sie in kleinem Rahmen in Eigenregie durchführen. Möchten Sie Ihre Pressearbeit  professioneller durchführen lassen, können Sie auch eine/n Freiberufler mehr einbinden. Er oder sie tritt nach außen in ihrem Namen auf und hat eine eigene E-Mailadresse unter Ihrem „Dach“. Vorsicht bei diesem Konstrukt ist jedoch bei möglicher Scheinselbstständigkeit geboten. Achten Sie darauf, dass derjenige eine eigene Internetseite hat und für mehrere Kunden aktiv ist. (Birgit Lutzer)