Maul auf! Luthers Redner-Tipps

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Redner-Tipps

Redner-Tipps hatte schon Martin Luther: „Tritt forsch auf, mach’s Maul auf, hör bald auf.“ Er richtete sich damit allerdings an Geistliche. Die ödeten ihre Gemeinden mit langatmigen Predigten an. (Bild: © pathdoc / Fotolia)

Auf einen Blick:

  • Zum überzeugenden Auftreten gehört auch die nonverbale Kommunikation (Erscheinungsbild, Körpersprache, Stimme)
  • Verkleidungen und übertriebene Schauspielerei kommen schlecht an – bleiben Sie sich selbst treu!
  • Wenn Sie „schlecht bei Stimme“ sind, lassen Sie sich von Profis helfen
  • Ihre Aussprache sollte verständlich sein
  • Fassen Sie sich kurz und beenden sie Ihren Vortrag schnell

Was glauben Sie – ist es wichtiger, was jemand sagt oder wie er es vorträgt? Genau, es kommt auf die Darbietung an. Also auf das „Drumherum“ und weniger auf den Inhalt. Das wusste schon Martin Luther. Er empfahl, selbstbewusst aufzutreten, verständlich zu sprechen und sich auf das Wichtigste zu beschränken. Das, was der wackere Theologe damals in derben Worten forderte, hat immer noch Gültigkeit. Denn es lässt sich auf Präsentationen und Vorträge übertragen.

Luthers Redner-Tipps – tritt forsch auf!

Stellen wir uns vor, Sie wollten mögliche Investoren vom Ihrer innovativen Geschäftsidee begeistern. Sie möchten eine Präsentation vor mehreren Entscheidungsträgern halten. Der erste Blick des Publikums fällt auf Ihr Äußeres. Zu große Abweichungen vom Erscheinungsbild der Anwesenden stellen ein Risiko dar. Sind Sie z. B. sehr viel besser gekleidet als die Firmen-Mitarbeiter, die Sie für Ihre Neuerung gewinnen möchten, haben Sie ein Problem. Auch dann, wenn Sie leger in Jeans ankommen, um zugeknöpfte Anzugträger und Business-Ladies in Kostümen für Ihr Projekt gewinnen. Denn Sympathie bildet sich eher bei Ähnlichkeit als beim Eindruck von Fremdheit. Trotzdem: Bleiben Sie sich immer selbst treu. Wer sich verkleidet, wird durchschaut. Vielleicht gibt es einen Kompromiss zwischen Ihrem privaten „Style“ und den Geschäftskonventionen.

Mit „tritt forsch auf“ meinte Martin Luther die Körpersprache. Dazu gehört auch ein entspanntes, mäßiges Tempo. Gehen Sie als Redner langsam und aufrecht nach vorne. Dann legen Sie Ihre Unterlagen auf das Pult oder den Tisch Hektische Betriebsamkeit vermittelt den Eindruck von Nervosität. Sehr wichtig ist die gerade Körperhaltung auch beim Reden. Wahren Sie unbedingt Blickkontakt zum Publikum. Bauchatmung verhilft Ihnen zu Entspannung.

Luthers Redner-Tipps – mach’s Maul auf!

Haben Sie eine volltönende Donnerstimme? Wenn Sie unsicher in Bezug auf die eigene Stimmwirkung: Halten Sie Ihren Vortrag unbedingt vorher einer vertrauten Person.  Sehr gut wäre es natürlich, wenn die räumlichen Bedingungen der späteren Realität gleichen. Doch manchmal wissen Sie nicht, was Sie erwartet. Neben der Tragfähigkeit der Stimme ist die Verständlichkeit ihrer Aussprache wichtig.

Luther drückte es derb aus: Das Maul sollte weit geöffnet sein. So kommt der Ton klar heraus. Tiefe Bauchatmung sorgt für einen ruhigen Puls und eine tragende Stimme. Kurze Denkpausen für die Zuhörer nach einzelnen Sinnabschnitten sind ebenfalls hilfreich. Und: Freies Sprechen ist lebendiger als ein abgelesener Vortrag. Denn der schläfert die Zuhörer auf jeden Fall ein. Wer eine Gedächtnisstütze benötigt, kann  Karteikarten benutzen. Müssen Sie oft vor anderen sprechen, lohnt sich ein Redetraining.

Luthers Redner-Tipps – hör bald auf!

Fast jeder Vortragende wünscht sich ein andächtig lauschendes Publikum. Oft ist es anders: Nach kurzer Zeit Langeweile auf. Die Menschen blicken vorsichtig auf Uhren und Handys. Sagen sie besser viel mit wenigen Worten als umgekehrt. Mehr als zehn Minuten am Stück kann niemand mit voller Konzentration zuhören. Nach Ablauf dieser Zeit ist Auflockerung angesagt: Stellen Sie eine Frage ans Publikum. Zeigen Sie Bilder oder geben Sie Gegenstände herum, die zu Ihrem Thema passen. Je mehr Sie Ihre Zuhörer einbeziehen, desto besser. vermittelten Inhalte haften. Beobachten Sie die Menschen vor Ihnen genau. An der Mimik und Gestik erkennen Sie, ob Sie Langeweile verbreiten. Dann gilt: Kürzen Sie ab. Manche Redner machen an dieser Stelle einen Fehler: Sie rattern Ihren Vortrag schneller herunter. Es geht also darum, die Inhalte zu reduzieren. Auch wenn es schmerzt: Hören Sie bitte auf Martin Luther und bald auf.