Kompliziertes lebendig präsentieren

//Kompliziertes lebendig präsentieren
lebendig präsentieren

Lebendig präsentieren können nur wenige „Fachchinesen“. Endlose Schlachten mit überfrachteten Folien sind leider oft an der Tagesordnung, wenn es um das Darstellen komplexer Sachverhalte geht. Der zugrundeliegende Irrtum lautet: Je mehr Informationen übermittelt werden, desto eingängiger der Inhalt. (Bild: © adam121 / Fotolia)

Der Mathematiker und Hochschullehrer Albert Beutelspacher spießte dieses Phänomen schon in den 90er Jahren mit spitzer Feder auf:

„Ein typischer mathematischer Vortrag läuft so ab: Nachdem der Gastredner vorgestellt wurde, erhebt er sich, geht nach vorne, lächelt unsicher ins Publikum, sucht unkonzentriert und wie ein Blinder herumtappend ein Stück Kreide. Wenn er dies gefunden hat, hat er bereits eine gewisse Sicherheit gewonnen, er lächelt nochmals, wendet sich der Tafel zu und beginnt seinen Dialog mit seinem wichtigsten Kommunikationspartner, der großen Wandtafel. Er schreibt Wörter an, die einzeln verständlich sind, deren Zusammenstellung aber andeutet, dass er eine fremde Sprache spricht, und während er diese Wörter zusammen mit merkwürdigen Symbolen anschreibt, spricht er das, was er anschreibt, stammelnd nach: … Und so geht dies in monotonem Singsang 45 Minuten oder, wenn man Pech hat, eine ganze Stunde lang weiter.“ (Quelle: Beutelspacher, Albrecht: In Mathe war ich immer schlecht … Braunschweig/Wiesbaden 1996, S. 99)

Sicher – in diese Szene beschreibt der Autor ein Klischee. Doch es ist viel Wahrheit daran. Unabhängig davon, ob Sie eine Verkaufspräsentation vor Kunden halten oder Fachwissen an Teilnehmer einer Bildungsveranstaltung vermitteln möchten: Immer geht es darum, Ihr Publikum für ein Anliegen zu gewinnen. Bei der Verkaufspräsentation besteht Ihr Anliegen darin, Ihr Produkt so zu präsentieren, dass sich Ihr Kunde anschließend mit einem guten Gefühl dafür entscheidet. Halten Sie einen Fachvortrag, möchten Sie Ihre Zuhörer vielleicht für die Anwendung eines bestimmten Verfahrens gewinnen oder ihnen nützliche Informationen zur Lösung eines Problems liefern.

Lebendig präsentieren durch Einbeziehen des Publikums

Je mehr Sie Ihre Vortragsbesucher in Ihre Ausführungen einbeziehen, desto besser. Die Aufmerksamkeit bleibt Ihnen auf diese Weise erhalten. Außerdem befassen sich die Teilnehmer gedanklich mit Ihrem Thema, statt alles an sich vorbei rauschen zu lassen. Eine gute Möglichkeit, Menschen einzubinden und gleichzeitig den Vortrag zu strukturieren, sind Fragen. Ihnen stehen Ihnen zwei Arten zur Verfügung:

  • inhaltliche Fragen, die sich auf das Thema des Vortrags richten. Sie helfen Ihnen, den „roten Faden“ Ihrer Präsentation einzuhalten. Sie werden nachfolgend als „Inhalts-Fragen“ bezeichnet.
  • Fragen, die Sie direkt an das Plenum stellen. In diesen geht es um die Erfahrungen, Motive und das Schwerpunktinteresse des Einzelnen oder der Gruppe. Wir nennen Sie „Plenums-Fragen“.

Die Inhalts-Fragen werden überwiegend rhetorisch eingesetzt, indem Sie die Frage stellen und anschließend selbst beantworten. Die Plenums-Fragen richten Sie direkt an Ihr Publikum und binden dessen Antworten in Ihre Präsentation ein.

Beispiele für Plenums-Fragen:
  • „Welche der gerade beschriebenen Probleme sind Ihnen bekannt?“
  • „Welche außer den genannten Punkten kennen Sie noch in Ihrem Umfeld?“
  • „Wenn Sie diese Aspekte hören (oder sehen) – welche davon müssten Ihrer Ansicht nach am dringendsten behandelt werden?“
  • „Welche Ziele sollten auf jeden Fall erreicht werden?“
  • „Was wäre für Sie ein idealer Wunschzustand?“

Auch die von Ihnen eingesetzten Präsentationsmedien und die Aufbereitung Ihrer Inhalte spielt eine große Rolle dafür, ob Sie Ihr Publikum (und damit das Ziel Ihres Vortrags) erreichen. Unabhängig davon, was genau Sie einsetzen – denken Sie daran: Sie sind der- oder diejenige, die Ihrer Präsentation Leben einhaucht. Reden Sie unbedingt frei und notieren Sie sich Ihre Inhalte ggf. in Stichpunktform auf Karteikarten. Alles, was Sie zeigen, ist Beiwerk, um Ihre Inhalte transparent zu machen. Auch wenn es bequem ist, Ihren ganzen Vortrag auf Folien zu bannen: Nutzen Sie einen Medien-Mix, um Abwechslung zu schaffen.

Lebendig präsentieren mit PowerPoint & Co.

  • Gestalten Sie Ihre Folien übersichtlich und nummerieren Sie sie.
  • Dunkle Schrift auf hellem Hintergrund ist für das Auge am leichtesten zu erfassen.
  • Verwenden Sie maximal zwei verschiedene Schrifttypen – und diese durchgängig in der gleichen Weise (z. B. Schrift 1: Überschrift, Schrift 2: Stichpunkte)
  • Die Schriftgröße sollte mindestens 18 pt. betragen.
  • Mehr als drei Schriftfarben verwirren
  • Bitte nur maximal fünf Stichpunkte auf eine Folie setzen. Besser ist eine Aussage und eine dazu passende Abbildung.
  • Bilder, Piktogramme und Grafiken sollten den Inhalt Ihres Vortrags unterstützen
  • Spezialeffekte stören meistens und lenken vom eigentlichen Inhalt ab.

Lebendig präsentieren – auch Handouts können begeistern

Bei Fachvorträgen werden oft Unterlagen an die Teilnehmer ausgegeben. Für deren Gestaltung gibt es ein paar einfache Faustregeln:

  • Wenn Sie längere Textpassagen haben, lockern Sie diese durch Abschnitte und Zwischenüberschriften auf.
  • Verwenden Sie wie bei den Folien maximal zwei verschiedene Schrifttypen (z. B. einen für die Überschriften und den anderen für Fließtexte). Zu viele Schriften verwirren das Auge und stören den Gesamteindruck.
  • Setzen Sie Wichtiges in Szene. Das Unterstreichen von Textteilen stört oft den Gesamteindruck. Als Alternativen bieten sich z.B. die Verwendung einer anderen Farbe, Aufhellung oder Verdunkelung des Farbtons, Rahmen, Fettgedrucktes, Piktogramme u. ä. an. Doch Vorsicht: Diese Mittel sparsam verwenden, denn sonst hebt sich das Wichtige nicht genug ab.
  • Ergänzen Sie lange Texte durch passende Infografiken, Fotos und andere Abbildungen.

Das Thema „Zeilenabstand“ wird häufig unter dem Aspekt des Papiersparens betrachtet: „Als Zeilenabstand nehme ich 0,5 – und die Ränder mache ich so schmal wie möglich. Dann passt mehr auf eine Seite und ich kann Papier sparen!“ Natürlich sparen Sie Papier – aber auf Kosten der Lesbarkeit. Deshalb: Zeilenabstand und Schrift müssen in angemessenem Verhältnis zueinander stehen. Zu breite Textspalten beeinträchtigen die Lesbarkeit, weil das Auge die nächste Zeile nicht so leicht findet (mindestens 30 und höchstens 60 Zeichen bei einer Schriftgröße von 9 bis 11 Punkt).

Weitere Tipps für die Aufbereitung technischer Inhalte in Wort und Schrift – siehe Fachbuch „Besser erklären, mehr Verkaufen“ von Andreas Dolle und Birgit Lutzer