Innovationsförderung für REFA-Konzept

//Innovationsförderung für REFA-Konzept
Innovationsförderung

Innovationsförderung ist bei vielen KMU gefragt. Doch wie kommt man an Fördergelder? Damit kennt sich Unternehmensberater Martin Lott aus. Er beschreibt ein Projekt aus der Feinwerktechnik.  ( Bild: © Sunny Studio / Fotolia ) (Werbung)

Auf einen Blick:
  • Das genutzte Förderprogramm zielt auf Prozess- und Organisationsverbesserungen
  • Bei Gräber ging es zusätzlich um ein neues ERP-System
  • Außerdem war die Maschinenhalle ein wichtiger Knackpunkt
  • Die Maschinen wurden im Materialfluss umgestellt
  • Auch ergonomische Anforderungen sind umgesetzt
  • Basis für alle Umstellungen war die REFA-Lehre

Martin Lott, Geschäftsführer des REFA Nordwest-Regionalverbands Nord und das Team der Unternehmensberatung AEQ sorgten dafür, dass die Gräber Feinwerktechnik GmbH & Co. KG aus Trappenkamp ihre Herstellungs- und Betriebsprozesse mit REFA-Methoden auf den Kopf stellte. Und dafür Fördergelder erhielt.

Prozess- und Organisationsverbesserungen werden gefördert

Die Verantwortlichen bei Gräber beseitigten u. A. Spaghetti-Fluss in der Maschinenhalle. Ermöglicht wurde die Prozess-Optimierung mit einem Innovations-Förderprogramm, das sich speziell an KMU in Schleswig-Holstein richtet. Grundlage für alle Verbesserungen war die REFA-Lehre. Da sowohl Martin Lott als auch Gräber-Produktionsleiter Thomas Stangl einen REFA-Hintergrund haben, bestand schnell Einigkeit über die notwendigen Maßnahmen, die auch von Geschäftsführer Michael Gräber begrüßt wurden.

Innovationsförderung – Projektdarstellung im Antrag oft spielentscheidend

Martin Lott blickt zurück: „Wir haben Gräber Feinwerktechnik über einen Kooperationspartner bei der Erstellung der Projektskizze und der Beantragung der Fördermittel begleitet.“ Anschließend sei es an die Umsetzung gegangen. Produktionsleiter Stangl erläutert: „Unsere Kernkompetenzen liegen in der Entwicklung, Konstruktion, Produktion und im Vertrieb feinmechanischer und elektrischer Baugruppen und Komponenten.“ Dass bei deren Herstellung alles glatt laufe, sei ein wichtiges Ziel gewesen.

Das große Ganze mit allen Zusammenhängen musste betrachtet werden

Firmenchef Michael Gräber beschreibt die Ausgangssituation, vor der viele andere KMU stehen: „Alle Prozesse mussten vollkommen umgestaltet und in ein modernes ERP-System implementiert werden.“ Stangl, selbst REFA-Arbeitsorganisator, entwickelte mit dem Team der AEQ das Verbesserungskonzept. Die Fachleute nahmen die Aufbau- und Ablauforganisation sowie alle Schnittstellen unter die REFA-Lupe. Besonderes Augenmerk richteten sie dabei auf mögliche Verschwendung.

Verschwendung hat viele Gesichter

Martin Lott erläutert den Hintergrund: „Bei REFA unterscheiden wir sieben verschiedene Arten. Dazu gehören Arbeiten ohne Wertschöpfung, Überproduktion, Wartezeiten oder auch eine ungünstig organisierte Logistik.“ Hinzu kämen überflüssige Bewegungen, Fehler und Zeitaufwand durch Kommunikationsprobleme. Bei Gräber seien einige dieser „Verschwendungs-Herde“ vorhanden gewesen.

Teile wanderten im Zickzack-Kurs durch die Halle

Stangl beschreibt die frühere Fertigung. „Die Produktionsstätte hat vier Ausbaustufen. Und im Zeitverlauf wurden die Anlagen und Maschinen so angeordnet, wie es gerade passte.“ Das Ergebnis sei eine Art „Spagetti-Fluss“ gewesen.  Im Produktionsverlauf wanderten die Teile kreuz und quer durch die Halle.

Spaghetti-Fluss führte zur Kostenexplosion

Gräber: „Die Folge war eine hohe Durchlaufzeit durch überflüssige Wegen und viele Verzögerungen.“ Dadurch sei auch zu viel gebundenes Kapital von angearbeiteten Aufträgen in der Warteschleife gewesen. Und so wurden die Maschinen nach dem Haupt-Materialfluss in das Korsett der bestehenden Gebäude-Struktur angeordnet.

Vorher: Aufgestellt, wo Platz war

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Nachher: Anordnung nach dem Materialfluss

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Innovationsförderung auch für eine humangerechte Produktion

Stangl weist auf eine wichtige Zusatz-Anforderung hin: „Der richtige körperliche Einsatz unserer Mitarbeiter bei der Arbeit unter ergonomischen Gesichtspunkten war ebenfalls ein Kriterium für Verbesserungen.“ Lott: „Auch hier bietet die REFA-Lehre einen Fundus an Ideen und Ansätzen. Denn jeder Mensch ist individuell. Und das sollte bei der Arbeitsplatzgestaltung berücksichtigt werden.“

An der Zeitschraube zu drehen, brachte Erfolg

Stangl schildert, wie dieses Ziel bei Gräber umgesetzt wurde: „Wir wollen eine gleichmäßige Auslastung von Mensch und Maschine gewährleisten. Deshalb nivellieren wir die Produktion mit Aufträgen, die zu einem späteren Zeitpunkt an der Reihe sind.“ Gräber nennt einen weiteren Vorteil: „So können wir den Kunden bestellte Teile oft schon viel früher zur Verfügung stellen.“

Digitalisierung statt Zettelwirtschaft und Aktenberge

Weitere Bausteine bestanden darin, die Zettelwirtschaft durch eine weitgehend papierlose, digitalisierte Auftragsabwicklung zu ersetzen. In einem internen Netz können 3D-Modelle abgelegt und weiterverarbeitet werden. Stangl: „Das gilt auch für Fremddaten. Früher mussten wir aus diesen eigene Modelle erstellen.“

Förderprogramm ermöglichte den gewünschten Erfolg

Gräber und Stangl sind sehr zufrieden mit den bisherigen Ergebnissen aller Änderungen. „Wir haben geringere Rüstzeiten, niedrigere Warenbestände und eine bessere Auslastung von Mensch und Maschine“, sagt der Firmenchef. Hinzu komme die Reduzierung von Papier, Toner und Abfall. Der Produktionsleiter fügt hinzu: „Alle Produktionsschritte werden im Datenmanagement-System erfasst. Jeder beteiligte Mitarbeiter kann darauf zugreifen.“ Lott: „So innovativ kann mit der REFA-Lehre gearbeitet werden!“